Herbstbaden !
"Herbstbaden" ist ein Programm des Deutschen Hygieneinstitutes. Ziel des Programms ist, das Baden in offenen Gewässern in Deutschland wieder populärer zu machen, dies vor allem auch vor dem Hintergrund der gesundheitsfördernden Wirkungen des Badens!


Mit einiger Sicherheit dürfen wir annehmen, daß die physiologischen Wirkungen des Badens auf den Organismus und der Weg, wie wir uns von den Temperaturen der Gewässer weitgehend unabhängig machen können, selbst in Fachkreisen heute immer noch bzw. wieder weitestgehend unbekannt sind! Ich möchte, auf der Grundlage eigener Beobachtungen der letzten Monate seit Sommer 2014, eine Empfehlung aussprechen:

Gründung örtlicher Badegruppen, nach dem Motto: Deutschland geht Baden! Deutschland nimmt ab!
Es geht mir in erster Linie um eine Art "Herbstbaden", und das geht so:

- Wenn Sie ein offenes Gewässer in ihrer Nähe haben, in dem Baden möglich ist, so gehen Sie dort ab Sommer 2015 Baden bzw. Schwimmen.
- Gute Zeiten zum Baden/ Schwimmen ist das Wochenende, zum Beispiel am Nachmittag, insbesondere dann, wenn die Sonne scheint!
- Sicherheit geht vor: Versuchen Sie, beim Baden/ Schwimmen immer noch festen Grund unter den Füßen zu haben, es sei denn, Sie sind
ein sehr geübter Schwimmer und sind das Freischwimmen in offenem Wasser gewohnt.
Mir persönlich liegt sehr viel daran, daß durch die hier gegebenen Ratschläge niemand in Gefahr kommt. Wenn Sie Zweifel an Ihrer Fähigkeit haben, zu Schwimmen/ zu Baden, konsultieren Sie bitte Ihren Hausarzt.
- Wenn Sie ins Wasser gehen: lassen Sie Ihren Körper den Reiz des Wassers spüren, damit sich dieser auf die Wassertemperatur einstellen kann. Im Sommer kann man sich sehr gut am Strand vor dem Baden etwas Warmlaufen, mit nackten Füßen, außer der Badehose/ dem Badeanzug ggf. noch mit einem Pullover bekleidet, damit man nicht vor dem Baden auskühlt.
- Gehen Sie ruhig auch mal bei "schlechtem" Wetter Baden, wenn Ihnen danach ist. Bei heraufziehendem Gewitter aber sofort das Wasser verlassen und Schutz suchen.
- Die für Sie wichtigste Zeit ist das allgemeine Ende der Badesaison - das ist z. B. im Bad Travemünde am 15. September, bis zu dem Termin ist der DLRG-Stand noch besetzt. Nutzen Sie ruhig die Zeit über den September hinaus - Ihr Körper wird sich an die kühleren Wassertemperaturen gewöhnen. Sie werden sehen: Das Ins-Wasser-gehen wird Ihnen im September oder Oktober, wenn Sie regelmäßig Baden gingen, leichter fallen als bisher, wenn Sie im Sommer bei 18° C Schwimmen gegangen sind.
- Wenn sich keine besonderen Beschwerden bemerkbar machen, wäre es möglich, daß Sie Ihre Badeaktivitäten fortsetzen - bis in den Winter hinein. Als Faustregel möchte ich Ihnen hierfür auf den Weg geben: Zwischen 0° C. und 10° C. gibt die Wassertemperatur einen groben Anhaltswert, wie lange Sie maximal im Wasser bleiben dürfen. Beispiel: Bei einer Wassertemperatur von 5° C. würde ich Ihnen raten, nicht länger als 5 Minuten im Wasser zu bleiben.
- Die obige Faustregel ist meine pers. Regel, und sie gilt für mich nur bis ca. 10° C. Schon bei ca. 12°, 13° C kann ich pers. mich deutlich länger im Wasser aufhalten, z. B. noch Anfang November an einer flachen Stelle für gut 30 Minuten im Rhein schwimmen.


Winterbaden - Herbstschwimmen:
Das sog. "Winterbaden", daß einige Leute bei eisigen Temperaturen in Flüsse und Seen steigen, hier und da auch in bereits vereiste Gewässer, hat mit dem oben beschriebenen "Herbstschwimmen" bzw. "Herbstbaden" wenig gemein: Beim Winterbaden tauchen die Leute nur kurz in das Wasser ein, verlassen das Wasser nach wenigen Minuten wieder, der ganze Vorgang trägt den Stempel der saisonalen Einmaligkeit, oft als fröhlicher Event.
Beim sog. "Herbstbaden", das ja bei Temperaturen um 10 bis 13° C. wesentlich länger dauern kann als das Baden im Eiswasser, wird dem Körper aber wesentlich mehr Wärme entzogen. In der Monographie "Das Buch vom Winterschwimmen" der Autoren Brenke und Siems (Husum 1996) heißt es dazu: "In Bezug auf ihre thermische Wirkung sind kalte Seebäder, über die in der Literatur relativ häufig berichtet wird, noch am ehesten mit dem Winterschwimmer vergleichbar. Der Einatz kalter Seebäder zu Abhärtungszwecken ist schon seit längerem üblich. Zu beachten ist dabei, wie auch beim Winterschwimmen, daß aufgrund der besseren Wärmeleitung des Wassers diese Bäder etwa 25 mal so intensiv wie Luftbäder gleicher Temperatur wirken (Menger und Mantel, 1978). Pirlet (1960) zufolge kann der Abfall der Kerntemperatur beim kalten Seebad (12-18° C Wassertemperatur) bis zu 3 Grad betragen. Diese Angaben verdeutlichen, daß die thermische Belastung des Körperkerns beim ausgedehnten kalten Seebad in der warmen Jahreszeit wesentlich größer sein kann als beim kurzzeitigen Winterschwimmen im ruhigen Gewässer." (S. 26/27)





Wichtig: Den Körper in kleinen Schritten an die niedrigeren Temperaturen gewöhnen!
In meinen Unterlagen habe ich gerade dieses Amateurvideo gefunden, Aufnahme von Detlef Koch, entstanden Anfang April 2015. Die Wassertemperatur vermutlich ca. 7° C. In dem Moment, als ich kurz in die Ostsee gehen wollte, kam mein Bruder Hartwig vorbei, mit seinem Freund Guido. Guido ist seines Zeichens Baumkletterter, beschneidet Bäume dort, wo sonst nur die Vögel hinkommen, ist also die Fitneß in Person.
Hier das aufschlußreiche Video vom gemeinsamen Bad, bzw. Badeversuch (s. u. Guido u. Matthias in Travemünde).

Der kurze Film zeigt sehr eindrucksvoll, was passiert, wenn man versucht, bei kaltem Wasser als Untrainierter zu baden: es passiert nichts, bis auf die Tatsache, daß man sehr deutlich spürt: "Das geht nicht!" No way!
Guido ist nun als beruflicher Baumkletterer ja alles andere als ein Weichei, eine gewisse Portion Mut braucht man auch für so einen Beruf.
Möchte man auch in den Jahrezeiten Herbst und Frühling in offenen Gewässern ein Bad nehmen, dann reicht Mut und Entschlossenheit, wie man hier sehen kann, eben nicht: Der Körper ist an diese Temperaturen einfach nicht gewöhnt!
Man k a n n den eignenen Körper sehr wohl daran gewöhnen, aber, wie gesagt, in kleinen Schritten.
Einige Empfehlungen hierzu:

- Sicherheit geht vor: keine waghalsigen Aktionen! Wir müssen niemandem etwas beweisen - wir wissen auch so, was wir für tolle Hechte sind, nicht wahr? Der zweite Teil im Wort "Herbstb a d e n" soll den Sicherheitsaspekt noch einmal hervorheben: Wir begewegen uns ja mit den Bade- und Schwimmaktivitäten oft außerhalb der regulären Saison-Badezeiten. Es soll daher eher der Charakter eines "Bades" sein, eines längeren Eintauchens in das Meer oder ein anderes offenes Gewässer, aber bitte mit steter guter und sicherer Grundberührung bzw. der Möglichkeit hierzu.

- Im Sommer, in der warmen Jahrezeit, beginnen. Bei schönstem Wetter zuerst einmal etwas länger im Wasser bleiben, 20, 30 Minuten, mindestens.
Wenn wir schon im Sommer nicht 20 Minuten im Wasser bleiben, wie lange wollen wir dann erst im Herbst drinbleiben, wenn das Wasser statt
18° C vielleicht nur noch 13° C hat?

- Regelmäßig Baden! Der Körper braucht a) Zeit, sich an die veränderten Umstände/Reize zu gewöhnen, und er braucht b) die rgelmäßige Wiederholung der Reize, damit der Traingingseffekt erhalten bleibt bzw. sich dieser Effekt steigert.
Ich schätze, für meine Konstitution: Ein Baden einmal pro Woche kann für mich einen einmal erreichten Grad der Abhärtung halten. Um dann auch ab November noch ausgedehnt (zehn Minuten und mehr) baden zu können, wird das vermutlich nicht mehr reichen, sechs bis acht Mal pro Monat sollten es schon sein.

- Meine pers. Haltung: Beim Baden immer genug Grund unter den Füßen, also nur da Baden, wo man auch bequem Stehen kann.
Faustregel: Je kühler das Wasser, desto flacher. Bei Temperaturen unter 10° C sollte man möglichst nur noch bis zur Hüfte ins Wasser gehen.
Man sollte sich bei flachen Gewässern auch keinesfalls zu weit vom Ufer entfernen - es kann einem plötzlich kalt werden, man sollte dann auch rasch das Wasser verlassen können.

- Möglichst bei Sonnenschein baden - wenn das Wasser schon etwas frischer ist, dann sollte doch wenigstens die Sonne dabei scheinen!
Unter der Seite wetter-online kann man sich den Verlauf der Wolkenfronten anzeigen lassen, so daß man eine zuverlässige Wetterprognose erhält.
Bei Sturm und schönen Wellen kann man auch sehr gut baden, da haben die Wellen dann immer Priorität vor der Sonne (für mich).

- Nie alleine Baden, das versteht sich von selbst. Wenn man keinen Partner dabeihat, der mitgeht, dann wenigstens an öffentlich gut besuchten Plätzen, also z. B. eine Promenade, so daß man sich bemerkbar machen kann.

Nach den beiden Herbstbadesaisons 2014/ 2015 und 2015/2016 kann ich auf der Grundlage meiner Erfahrungen bereits eine erste Jahresübesicht für das Herbstbaden geben:




2016:



2015:



2014: